Welpenspielgruppen

Als Trainer habe ich auch einen Anspruch. Ich möchte die Menschen erreichen und Ihnen dabei helfen, auf sozialer Ebene eine gute Bindung zu ihrem Hund aufzubauen. 

Oft hört man immer wieder von sogenannten Hundekennern, dass der Besuch von Welpenkursen doch so wichtig ist, damit der Hund auch ja gut sozialisiert wird und sich zukünftig immer gut mit anderen Hunden verträgt. 

Ganz so einfach ist das aber nicht. In meiner Tätigkeit als Hundetrainerin und nach meinen Beobachtungen bei meinen eigenen 9 Hunden kann ich behaupten, dass manche Verhaltensweisen des Hundes auch immer abhängig sind von der Qualität der besuchten Welpen- oder Juniorgruppe, der Gruppendynamik, der anwesenden Hunde und deren Menschen. Die meisten Hundehalter wünschen sich, dass sie ihren süßen Welpen beim Rennen und Toben mit vielen anderen Welpen beobachten können. Sie wünschen sie sich, dass der eigene "Nachwuchs" Freunde findet und sich mal so richtig schön auspowern kann. Werden in einer Welpengruppe Ruheübungen eingebaut, kann das für den ein oder anderen Hundehalter selbst schon Stress bedeuten, weil viele Menschen mit dieser Ruhe nicht viel anfangen können. Aber der Welpe benötigt viel Ruhe, 22 Stunden am Tag. Unerfahrene Ersthundehalter oder auch manchmal sogar erfahrene übersehen sehr gern die Stressanzeichen ihrer Schützlinge, so das Kratzen, Schütteln, Gähnen oder in die Leine beißen. Dann heißt es oft, dass der Hund unterfordert sei und mehr Spiel und Abwechslung benötige. 

Auf der anderen Seite gibt es Hundehalter, die ihre Ängste, dass dem Kleinen etwas passieren könnte, so offen zeigen, die Anspannung steht ihnen quasi ins Gesicht geschrieben, dass deren Hund gar keine andere Chance hat, als die Stimmung der Menschen zu übernehmen und so ein Spiel gar nicht erst zustande kommt. Hier muss ich als Trainer gut intervenieren können und versuchen, dem Menschen die Angst zu nehmen. Nicht immer so einfach. Das der Hund den Menschen spiegelt ist nicht neu, aber aus einem unsicheren Menschen einen souveränen Hundehalter zu machen, ist keine einfache Aufgabe.

Das in einer gut geführten Welpengruppe die Welpen nicht alle frei aufeinander losgelassen werden sollten, versteht sich von selbst, auch das Welpen nicht gehetzt, gezwickt, bedrängt oder gemobbt werden dürfen. Der Trainer wird schüchterne Welpen in die Beobachterrolle schicken, damit diese nicht von den anderen bedrängt werden und aus der Ferne Mut fassen können. Achtet man nicht darauf, ist es gut möglich, dass genau aus diesen schüchternen Hunden später Hunde mit Aggressionsverhalten werden, um sich die anderen Hunde vom Leib zu halten. Sie lernen, dass es sich lohnt aggressiv zu reagieren. Auf der anderen Seite muss darauf geachtet werden, dass eher distanzlose und draufgängerische Welpen nicht die Erfahrung machen, dass sie mit ihrem Verhalten andere Hunde beeindrucken können. Viele Hunde finden es nämlich toll, zu drängeln, zu schubsen und zu schieben, je nach Rasse und Charakter. Jedoch ist der älteste Zopf in diesem Zusammenhang noch nicht ganz abgeschnitten "Die regeln das schon unter sich", hört man immer wieder. An der Stelle sei gesagt, dass hier nix geregelt wird. Was denn? Was soll der kleine schüchterne Hund lernen, der von den aktiveren immer wieder angerannt und umgerannt wird. Er lernt, dass er sich durch aggressives Verhalten zur Wehr setzen kann und auch muss, weil sein Mensch ihm nicht hilft. Deshalb ist die Welpengruppe sehr anspruchsvoll, weil hier die Weichen für später gestellt werden. Allerdings nur bedingt, denn so, wie auch viele Köche den Brei verderben, so gibt es auch viele Meinungen, die ein Verhalten eines Hundes beeinflussen und verderben können. Dann geht es manchmal nach der Hundeschule noch einmal auf die benachbarte Hundewiese, wo man so schön mit den großen und kleinen Hunden spielen und toben kann. Auspowern halt! Für mich das "Unwort" schlechthin. Sieht doch alles so nett aus. 

Ich möchte daher den frischgebackenen Welpenbesitzer empfehlen, Hundegruppen zu meiden, die ablaufen wie eine Hundeparty. Durch das sehr oft viel zu lange Miteinander werden die jungen Hunde zudem gepusht. Nicht selten entstehen ungünstige Assoziationen die dem Hund vermitteln, dass die Gegenwart anderer Hunde immer Aufregung bedeutet. Das kann dazu führen, dass die bereits jungen Hunde an der Leine das Pöbeln anfangen, wenn sie einen Hund in der Ferne entdecken. Sie können nicht zum anderen Hund hin, sind frustriert und daraus kann sich dann eine typische Leinenaggression entwickeln . 

Welpen hatten in der Regel mehrere Wurfgeschwister zum Spielen zur Verfügung. Also eine Unterversorgung ist mit Sicherheit nicht sogleich gegeben. Aber! Da Kontakte zu Artgenossen, natürlich auch zu gleichaltrigen, sehr wichtig sind, sollte der junge Hund zunächst von souveränen erwachsenen Hunden lernen. Diese Hunde sind in der Anfangszeit Gold wert und übernehmen eine wichtige Lehrfunktion und geben dem jungen Hund Sicherheit. Sie kommunizieren in ihrer Sprache mit den Welpen, der junge Hund versteht das sofort. Erst danach sollten die Welpen in einer sehr übersichtlichen und ruhig geführten Welpengruppe behutsam und mit ritualisierten Begegnungsübungen auf die Interaktion mit anderen Hunden vorbereitet werden. Es sollte immer zwischen Aktions- und Ruhephasen abgewechselt werden. Dabei sollte der Mensch immer schützend zur Seite stehen und trotz der anderen anwesenden Welpen sollten die Hunde auch mit ihren Menschen Spaß haben. Es sollte sehr viel Wert auf wirklich hochwertige gute Begegnungen mit sozial kompetenten Hunden gelegt werden, damit es im späteren Hundeleben eben nicht zu dieser vielerorts leider existierenden Leinenaggression kommt.