RUHE HALTEN! GRENZEN SETZEN!

Unsere Vierbeiner haben ein Ruhebedürfnis von rund 18 bis 20 Stunden am Tag, was ein Grundbedürfnis des Hundes darstellt und oftmals von vielen Hundehaltern ignoriert wird, weil man dem Hund ein möglichst abwechslungsreiches, ein mit Aktion gespicktes, Leben bieten möchte. Damit schafft sich der Hundebesitzer einerseits ein ruhiges Gewissen und gleichzeitig hofft man auf eine emotionale Verbundenheit des Hundes zum Menschen. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass die meisten Hunde, die eine hohe innere Unruhe aufweisen, launig reagieren oder auch gereizt sind, einfach ein Defizit an Ruhe haben. Der Ruhebedarf der Hunde ist nicht zu unterschätzen, ganz besonders bei Hunden, die aus dem Ausland importiert worden sind. Wenn Hunde zu vielen Reizen ausgesetzt werden, diese nicht verarbeiten können, ist an ein Lernen überhaupt nicht zu denken, was aus Sicht des Menschen den sturen, ungehorsamen Hund zur Folge hat. Das ist aber ganz und gar nicht so! Gönnt man dem Hund die Ruhe, die er benötigt - auch durch Einfordern von Schlafzeiten - wird sich das auf das Allgemeinbefinden und Verhalten des Hundes auswirken. Wer den ganzen Tag über versucht, seinen Hund aktiv zu halten, muss sich nicht wundern, wenn der Hund überreizt reagiert und den Signalen nur kurz oder gar nicht folgen will. Deshalb bin ich dafür, sowohl bei Hausbesuchen als auch in den Kursen, Ruheübungen (Stadiness) einzubauen, weil das nicht nur die Frustationstoleranz erhöht, sondern weil sich das Verordnen von Ruhe bei unseren Hunden positiv auf deren Organsystem auswirkt.

 

Warum Grenzen setzen? Spätestens wenn der Hund in die Pubertät kommt, merken die Leute, was passiert, wenn dieser keine Grenzen erfahren hat. Die meisten Leute kommen drinnen gut zurecht. Geht es dann vor die Tür, wird aus dem Schmusehund oft ein kleiner Terrorist, der sich gar nicht mehr so kuschelig an den Menschen schmiegen möchte und mehr an der Umwelt und anderen Lebewesen interessiert ist, als an seinen Menschen. Wenn ich dann davon spreche, dem Hund auch im Haus Grenzen aufzuzeigen, zeigt man sich oft kurzfristig geschockt und eher weniger kooperativ, schließlich klappt ja zu Hause alles. Viele Hunde zeigen draußen oft erst dann wieder ein normales Verhalten,  wenn man als Hundehalter in der Lage ist, auch zu Hause ein „NEIN“ konsequent durchzusetzen. Das beginnt zum Beispiel damit, den Hund nicht in alle Räumlichkeiten des Wohnbereichs mit hineintapsen zu lassen. Da braucht es keine Strenge oder gar lautes Gebrüll, von körperlicher Zurechtweisung brauch ich gar nicht zu sprechen. Mit einer sogenannten natürlichen Autorität und einer deutlichen ruhigen Körpersprache sollte dem Hund vermittelt werden, dass er warten, Ruhe halten, vom Sofa runter, den Raum nicht betreten oder sich auch einfach auf seinen Ruheplatz zurückziehen soll. Ist der Mensch dabei selbst entspannt, weder hektisch noch nervös, überträgt sich das auf den Vierbeiner.  Diese Hunde weisen eine höhere Bindungsbereitschaft auf, wirken insgesamt ausgeglichener und zufriedener, auch dann, wenn es raus geht. Der Hund lernt dadurch zu unterscheiden, was erwünscht ist und was nicht, was ihm Sicherheit vermittelt.