Hund kastrieren lassen?

 

Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Vor allem Tierärzte raten gern zu einer Kastration noch vor der 1. Läufigkeit der Hündinnen. Tierärzte sprechen von der Gesundheitsprophylaxe und deshalb sollen aus reiner Vorsorge die Gebärmutter, Eierstöcke, Samenleiter oder Hoden entfernt werden, um Krebs zu vermeiden. Auch ich bekomme diese Frage immer wieder zu hören und meine Antwort fällt immer gleich aus: „Die Kastration ersetzt nicht die Erziehung des Hundes!“ Das Tierschutzgesetz § 6 TierSchG sieht vor, dass man einem Tier absichtlich keine Schmerzen zufügen darf. Eine Kastration ist eine Amputation und somit eigentlich verboten, außer wenn eine medizinische oder verhaltensbiologische Indikation vorliegt. Deshalb kann ich hierzu nur anraten, sich diesen schwerwiegenden Schritt sehr gut zu überlegen und sich in jedem Fall sehr gut beraten zu lassen.  Geht es beispielsweise um ein stark sexuell motiviertes Verhalten des Hundes oder auch um zwei intakte Rüden, die in einem Haushalt leben und ein sehr ausgeprägtes sexuell motiviertes Konkurrenzverhalten zeigen, so dass es zu Beißunfällen kommt (Vorsicht! Wird der falsche Rüde kastriert verschlimmert sich das Verhalten!) oder geht es um Krankheiten der Geschlechtsorgane oder um eine ausgeprägte leidvolle Scheinträchtigkeit der Hündin, ist eine Kastration anzuraten, ist jedoch auch immer eine Einzelfallentscheidung. Geht es um verhaltensbiologische Aspekte, besteht die Möglichkeit, einen chemischen Probelauf zu starten mittels Chip, um festzustellen, ob sich ein sexuell motiviertes Verhalten durch Unterdrückung der Sexualhormonproduktion eindämmen lässt.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Kastration?

 

Wie gesagt, Tierärzte favorisieren den Eingriff vor der ersten Läufigkeit aus o. g. Gründen und andere wiederum frühestens nach dem Abschluss der Pubertät und nach der dritten Läufigkeit, so zwischen dem 12. Und 24. Monat, sowohl bei Hündinnen als auch bei Rüden. Die körperlichen Veränderungen während dieser Zeit sind bei den Hunden enorm und auch das Gehirn verändert sich. Erst wenn die Zeit der Pubertät vorbei ist, zeigen die Hunde ihr endgültiges Verhalten. Die für die Pubertät typischen Verhaltensweisen (Stimmungsschwankungen, erhöhte Reizbarkeit und Stressanfälligkeit) verblassen und unser Hund kann nun viel besser mit Außenreizen und Stressoren umgehen. Einige Frühkastraten zeigen jedoch dieses pubertierende Verhalten auch später noch, sie wirken, als blieben sie in der Pubertät stecken. Sie zeigen vermehrte Stressanfälligkeit, auch ab und an defensive Aggressionen. Auch in Bezug auf das Wachstum hat man das Gefühl, dass der Hund in einer Größe steckenbleibt, unfertig erscheint und sich der Skelettapparat (Knochenfugen) nur unzureichend entwickelt.

 

 

Muss man mit Nebenwirkungen rechnen?

 

 

Neben den oben erwähnten Dingen berichtet man bei einigen Frühkastraten davon, dass diese eine erhöhte Gefahr für Gelenkfehlbildungen und Gelenkschäden aufweisen würden, auch die Wahrscheinlichkeit von Kreuzbandrissen würde steigen. Durch den Wegfall des Testosterons würde verstärkt der Muskelabbau stattfinden. Denn Testosteron führt zur Bildung robusterer Knochen. Hat der Hund bereits ungünstige Anlagen, könnte das nach einer Kastration noch schlimmer ausfallen. Andere Nebenwirkungen, die durch eine Kastration auftreten, können vielfältig sein. Aus den Reihen verschiedener Hundehalter bestimmter Rassen hört man oft vom plötzlichen Auftreten epileptischer Anfälle, kreisrunden Haarausfall, Inkontinenz, Tumorbildung an Milz, Herz oder Knochen und Übergewicht.

  

 

Was passiert mit dem Verhalten des Hundes?

 

Wie bereits eingangs erwähnt, ersetzt eine Kastration nicht die Erziehung! Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass die gechipten oder kastrierten Hunde im Training jeweils ein angenehmeres Verhalten gezeigt hatten, vor allem dann, wenn sie vorher auffällig unruhig waren, jede Gelegenheit wahrgenommen hatten, um ein Kissen, generell Gegenstände oder Personen zu besteigen oder aber extrem vokalisiert hatten (Bellen, Fiepen etc.), auch übertriebenes Imponiergehabe und aggressives Konkurrenzverhalten gegenüber anderen Rüden und das Streunen auf der Suche nach einer läufigen Hündin.

 

Da Sexualhormone nun aber in alle Richtungen ein Wesen beeinflussen, sollte ein Testlauf mittels Chip (ich favorisiere hier nach Abschluss der Pubertät!) gestartet werden. Die Wirkung lässt zirka nach einem halben Jahr wieder nach. Was könnte passieren? Manchmal werden kastrierte Rüden von intakten Rüden als „Nicht-Rüde“ eingestuft und arg belästigt durch Aufreiten. Zwischen Artgenossen könnte es demnach ein kastrierter Hund zudem etwas schwerer haben, da er infantile Verhaltensweisen zeigt, die konträr zu seinem Aussehen/Alter sind und für andere Hunde aus verhaltensbiologischer Sicht nicht verständlich. Also benimmt sich ein Frühkastrat kindlich, könnte er von einem intakten Rüden stark diszipliniert werden.

Was also tun?

 

Die Kastration eines Rüden kann einen Lösungsansatz zur Beseitigung von Verhaltensproblemen darstellen, wenn sie denn sexuell motiviert sind. Die Kastration bewirkt aber keine Wunder und bei größeren Problemen sollte in jedem Fall parallel eine Verhaltenstherapie in Betracht gezogen werden. Das antihormonelle Implantat kann herangezogen werden, um die Wirkung einer Kastration auf ein unerwünschtes Verhalten einschätzen zu können. Der Hormonchip beim Rüden hält in etwa 6 Monate bis zum einem Jahr und enthält Hormone, welche das Testosteron im Hoden unterdrücken. Erst nach 6 Wochen kann es seine Wirkung entfalten, die Hoden schrumpfen.

Bei Hündinnen gibt es Spritzen, die ebenfalls 5 bis 6 Monate wirken. Die Läufigkeiten werden verhindert. Jedoch kann es auch hier zu hormonellen Schwankungen und leider auch zu Gebärmuttervereiterungen kommen.

 

Aber wie ist das mit dem Sterilisieren?

Man spricht bei beiden Geschlechtern von einer Kastration. Hier werden beim Rüden die Hoden und bei Hündinnen die Eierstöcke entfernt. Sterilisiert man die Hunde, werden beim Rüden die Samenleiter und bei den Hündinnen die Eilleiter (teilweise) herausgenommen. Der Vorteil besteht darin, dass nicht in den Hormonhaushalt des Hundes eingegriffen wird. Nachteilig jedoch ist, dass hormonell bedingten Verhaltensweisen nicht entgegengewirkt wird, auch die möglichen Erkrankungen werden dadurch nicht verhindert.

 

Der Artikel stützt sich nicht auf eine Quelle, sondern beruht auf einer ganzen Reihe von Quellen, die voneinander unabhängig sind.