Was bedeutet eine sichere Bindung zum Hund aufzubauen?

  

Alle Hundehalter stellen sich diese eine Frage und die meisten Hundehalter glauben, dass eine feste Bindung dadurch entsteht, wenn man viele einzelne Übungen auf dem Hundeplatz absolviert oder dem Hund immerzu irgendwelche Leckerchen verabreicht oder manche glauben auch, dass durch Bällchenwerfen die Bindung des Hundes an den Menschen enger wird. Meine Erfahrung geht dahin, dass sich ein Hund eher an den Halter gebunden zeigt, wenn dieser die Führung übernimmt, klar und souverän. Anderenfalls und das kenne ich leider auch, haben wir trotz aller Beschäftigungsvarianten einen Hund, der vielleicht Flucht-, Fiddle- oder auch Angriffstendenzen zeigt, vor allem dann, wenn es um eine Hundebegegnung geht. Vielen sind die Verhaltensweisen des Hundes wie Leinenaggression, Anspringen, Bellen, Jagen, Zerstören, Trennungsangst usw. nicht unbekannt, haben diese meist ein und denselben Ursprung: Es fehlt die souveräne Führung.

   

Wie baue ich aber eine gute Bindung auf und wie funktioniert souveräne Führung?

  

Hier ist zunächst ein unbedingtes Umdenken des Menschen erforderlich. Weder ein demokratischer Grundgedanke noch Gewalt bilden einen förderlichen Rahmen, wenn es um unsere Hunde geht. Worauf muss sich also ein Hundebesitzer einlassen? Auf gar nicht so viel, wie manche denken. Lasst zunächst einfach mal das Bällchenwerfen weg, lasst es endlich sein, den Hund Blätter hinterherjagen zu lassen, lasst es bitte sein, sich daran zu erfreuen, wenn der Hund Schmetterlinge jagt. Warum? Genau das verursacht ein Verhalten, ein Verhalten, was uns stört: Weil? Diese Dinge stehen alle stellvertretend auch für Katze, Hase, Reh, rennende Kinder, Hunde. Alles was sich irgendwie bewegt, wird interessant. Es wurde ja immer erlaubt!!! Nicht nur das, es kommt zu einer Stressspirale beim Hund. Er sucht geradezu nach diesem Adrenalinschub. Also nimmt er sich, was er bekommen kann.

 

Jetzt kommen folgende ‚verschmenschlichte‘ Gedanken dazu? Aber jetzt hat mein Hund gar keine Freude mehr am Leben, wenn er nicht einmal Bällchen hinterherlaufen darf. Natürlich wird er einem Ball hinterherlaufen dürfen, um ihn zu holen, natürlich darf er seinem Laufbedürfnis nachgehen …. Aber, die Basis muss stimmen.   

 

Wo ist aber der Anfang? Der Anfang beginnt zu Hause. Dort werden wir weich, dort sind wir mit unserem Vierbeiner gut, lassen alles zu, weil der Hund da so schön guckt, uns so schön hinterherläuft und ach herrje, wie er an mir hängen muss, sonst würde er mich doch nicht so Schritt für Schritt verfolgen. Jetzt hängt er mir noch am Bein, umklammert es, ach hat er mich lieb!!! Jetzt werden einige hellhörig? Zurecht. Das hat mit Bindung mal gar nichts zu tun. Sondern hier stellt der Mensch eine zu beschützende Ressource aus Sicht des Hundes dar, die es zu begrenzen und zu reglementieren gilt. Wie sieht das aus? Der Hund rennt dem Menschen im Haus hinterher oder sogar vorbei und stellt sich vor seinen Menschen oder er schnappt sich permanent eine Beute und bewegt diese vor dem Menschen hin und her. Will dieser sich die Beute nehmen, nimmt der Hund reiß aus und spielt „Fang mich doch, du Eierloch“. Wir finden das lustig? Ja, zu Hause ist es schön, da hat man auch die Möglichkeit, die Türen zu schließen, den Hund wegzusperren, wenn er zu sehr aufdreht. Aber! Ist das Erziehung? Wirke ich aktiv auf meinen Hund ein, wenn ich ihn wegsperre oder in die Box packe? Es macht irgendwie keinen Sinn, oder?

    

Wenn der Mensch einen Hund möchte, der sicher an ihn gebunden ist, muss er zunächst dafür sorgen, dass der Hund sich endlich entspannen kann. Gelingt das bereits in den eigenen vier Wänden, wird er immer seltener die anfangs genannten problematischen Verhaltensweisen zeigen. Was drinnen passiert, hat viel damit zu tun, was draußen passiert!

  

Der Mensch muss endlich beginnen, sich auf den Hund einzulassen. Mit ihm so zu kommunizieren, dass der Hund es auch versteht. Dazu gehört Mimik und Gestik und eine gewisse körpersprachliche schnelle und verbindliche Reaktion. Beispiel: Will der Hund im Haus schnell wie eine Rakete an mir vorbeiflitzen, bekommt er eine kurze Korrektur von mir im Sinne von „Lass das!“ Dazu drehe ich mich schnell in Richtung Hund und gehe kurz auf ihn zu. Ja, ich bewege ihn damit nach hinten und er versteht das auch sofort. Sobald sich mein Hund zurücknimmt, drehe ich mich um und laufe in meine ursprüngliche Richtung weiter. Die meisten Hunde sind überrascht und auch beeindruckt. Manche bleiben einfach stehen, manche laufen betont langsam in Richtung ihres Menschen. Beides ist wünschenswert. Wichtig hierbei ist einfach, dass Geschwindigkeit und überdrehte energiegeladene Reaktionen gestoppt werden. Setzen wir noch Text ein, entstehen sehr oft Missverständnisse, der Hund reagiert entsprechend anders, als wir es uns wünschen. Frust und Stress bleiben nicht aus, und das auf beiden Seiten.

   

Warum solch eine souveräne Führung wichtig ist? Damit sich unser Hund endlich sicher fühlen kann. Sicherheit steht auf der Skala der Grundbedürfnisse ganz oben. Fehlt die Sicherheit, kann keine Bindung entstehen. Sicherheit kann nicht durch Bällchenwerfen oder Leckerchen entstehen, sondern dadurch, dass ich mit dem Hund auf seine hündische Art und Weise kommuniziere, mit Körpersprache und durch ein Begrenzen, so wie es die erfahrenen Hunde mit den unerfahrenen Hunden eben auch tun. Aber natürlich auch mit Beschäftigung, und zwar einer, die der Wesensart des Hundes am nächsten kommt. Dummyarbeit zum Beispiel. Viele Hunde tragen sehr gerne Gegenstände durch die Gegend. Oft werden sie dafür geschimpft. Wie fatal!

 

Denn überlegene Führung ist für ihn gleichbedeutend mit Sicherheit und sinnvolle Beschäftigung bedeutet, man erkennt den Hund als Hund. Und Sicherheit steht in seiner Bedürfnisskala wie gesagt ganz oben. Fühlt sich der Hund durch uns nicht gut geführt, gelenkt und sind wir in seinen Augen keine Leitfigur, kann eine sichere Bindung nicht zustande kommen. Es fehlen Regeln und Grenzen, und genau das ist die Ursache für viele Verhaltensauffälligkeiten beim Hund. Der Hund hat Leckerchen, Bällchen, Spielsachen und allerhand Ressourcen zur Verfügung, sein Status wächst also permanent an mit der Möglichkeit, alle Ressourcen immer zu erhalten, wann er will oder dies einfordert.  Ein Hund, der aber Grenzen aufgezeigt bekommt, erlebt seinen Menschen als wichtig. Weil, der Mensch verwaltet die Ressourcen, zeigt ihm, was richtig und falsch ist und der Mensch ist ein guter Sozialpartner, weil sich der Hund nicht um Sicherheit und Schutz kümmern muss. Der Mensch lässt aber auch einmal "Alle Viere gerade sein", schaut nicht immer nach seinem Hund und hinterfragt, warum er etwas tut und wie er ihn jetzt behandeln muss. Egal ob er an uns hochspringt oder den Clown macht und uns auf seine Art und Weise zum kommunizieren auffordert, der Mensch darf auch einfach mal gar nichts tun.

   

Unser Verhalten gibt Aufschluss über unseren Status. Wer die Ressourcen verwaltet, hat nach Hundelogik das Sagen und trägt die Verantwortung. Das ist nicht nur die Futterschüssel, wo wir – und das machen irgendwie alle Hundehalter – unsere Hunde brav davor absitzen lassen – bevor sie fressen dürfen. Stellen wir die Hundeschüssel mal vor die Tür oder nehmen ein paar Futterbrocken daraus mit nach draußen und probieren dasselbe noch einmal. Man wird staunen, dass unsere Hunde vermutlich nicht so toll reagieren, wie drinnen. Warum? Weil Hunde situations-, orts- und kontextbezogen lernen. Das heißt, wir haben diese Situation immer an derselben Stelle, mit genau der Futterschüssel geübt, und zwar konsequent. Siehe da, es klappt!

   

Viele Hundehalter verhalten sich gegenüber ihren Hunden immer dann unfair , wenn es zu kritischen Situationen kommt. Meist in Notsituationen werden Hunde reglementiert, werden an der Leine zurückgezogen, verbunden mit Geschrei oder für den Hund nicht nachvollziehbarem Text. Besser wäre es, den Hund aus solchen brenzligen Situationen ohne Diskussion herauszunehmen, wenn es eh schon zu spät ist. Vielmehr sollten die Hausstandsregeln auf den Prüfstand! Klappt es zu Hause oder im Garten gut, dass Regeln und Grenzen akzeptiert werden, dann kann man das Begrenzen beispielsweise auch draußen anwenden beim Spaziergang, alles in Ruhe, ohne Text, ohne Hektik und Stress. Eure Hunde werden es euch danken! J

   

Das Auslasten oder mein persönliches Unwort „Auspowern“ des Hundes dient meines Erachtens nicht dazu, dass sich ein Hund uns als fairen, ruhigen und souveräne Ressourcenverwalter anvertraut. 

  

Soziale Kontaktpflege, Spiel und viel Körperkontakt sind wichtige Komponenten, die täglich eingebaut werden müssen, so auch gemeinsame ausgedehnte Spaziergänge.

 

Aber immer darauf achtend, den Hund nicht zu überdrehen und zu einem distanzlosen Verhalten zu animieren.

  

Beim Spielen beispielsweise achte ich immer darauf, dass mein Hund Kontakt zu mir hält und sich nicht mit der Beute allein entfernt und allein seinen Spaß hat.

  

Beim den täglichen Massagen setze ich mich neben die Decke meiner Hunde und bringe mit einer gewissen Technik meine Hunde dazu, sich zu entspannen und meistens schlafen sie auch ein. Nicht dieses hektische Zuppeln am Hund, sondern mit sanften Berührungen beginnend Hals, Rücken, Ohren sanft kneten, Nasenrücken zu den Augen, bis zum Nacken und alles dreimal wiederholen. Einfach herrlich.

 

All das soeben genannte führt schlussendlich zu einer guten Bindung. Es ist natürlich auch hier nichts, was man über Nach erhält. Es bedeutet schon einiges an Arbeit, aber die Mühen lohnen sich! Versprochen! :)